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Julia Kokke M.A. – Sprachwissenschaftlerin – Schaumburgstraße 28 – D-30419 Hannover

Telefon +49 (0)511 37007380

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Den „Ton angeben“: Konfliktsituationen mit der Stimme souverän meistern

Julia Kokke M.A.

Den „Ton angeben“: Konfliktsituationen mit der Stimme souverän meistern

Im kürzlich abgeschlossenen Bildungsurlaub in Hannover reflektierten die Teilnehmer/-innen Situationen, in denen es schwer oder unmöglich war, die Stimme klanglich zu kontrollieren. Gerade in emotional aufgeladenen Momenten kann es sein, dass man in die Gefühlslage des Gegenübers hineingezogen wird und z.B. laut wird, weil der Andere laut ist. Wenn man in einer Leitungsposition ist, sei es als Trainer/-in, Betreuer/-in oder Vorgesetzte/-r, ist es wichtig, die professionelle Distanz zu wahren und auch stimmlich zeigen, wer der „Boss“ ist. Ein interessanter Impuls eines Teilnehmers war, die laute Person eher leise anzusprechen, um ihr zu signalisieren, dass man sich nicht von ihrem Verhalten beeindrucken lässt. Oder, wie es eine andere Teilnehmerin treffend beschrieb: Ihr klar zu machen, dass man „den Ton angibt“. Diese Abgrenzung und Selbstbestimmtheit ist eine wichtige Voraussetzung, um deeskalierend zu wirken.

Oft ist es aber schwierig, diese Selbstbestimmtheit abzurufen, wenn es darauf ankommt. Bei Konflikten oder auch Gefühlen von Lampenfieber oder Auftrittsangst werden Stress- und Haltungsroutinen in Gang gesetzt, die wir oft gar nicht bemerken. Die Schultern gehen nach oben, der Nacken verkürzt sich, der Atem wir flach. Diese Schutzmechanismen wirken sich direkt auf die Stimmqualität aus. Die Stimme wird z.B. schrill oder gequetscht, zu laut oder rau und heiser. Man hört, in welchem Zustand man sich befindet.

Klang- und körperorientierte Stimmbildung verlegt den Fokus von der äußeren Situation auf die innere Selbstwahrnehmung. Hemmende Haltungs- und Schutzroutinen werden erkannt. Das ist der Schlüssel zu einem anderen Umgang mit der Situation und sich selbst. Denn nun kann man Vorkehrungen treffen, stabiler und flexibler zu agieren, ohne sich selbst zu behindern. Man sich einerseits durch Erste Hilfe-Übungen kurz vor der Sprechsituation besser auf sie einstimmen. Andererseits kann man den langfristigen Lern-Effekt von Entspannungs- und Klang-Übungen nutzen, da er im Körpergedächtnis gespeichert werden kann. Dieses bessere Gefühl wird in einer Stress-Situation genauso gut abrufbar, wie die ungünstigen und hemmenden Routinen. Mit einem positiveren Selbstbild kann man auch schwierigen Situationen sicherer und flexibler begegnen.

Julia

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